Die Verwendung von Einheiten verwirrt mich immer wieder. Am Blutbefund stehen teilweise sehr unterschiedliche Einheiten, je nachdem bei welchem Labor man sein Blut testen lässt.

Weiße Blutkörperchen (Leukozyten) z.B. wurden früher von Menschen am Mikroskop gezählt, heute macht das eine Maschine, am Befund steht also die gezählte Menge der Zellen, und zwar sieht das dann so aus:

3120 Stück Leukozyten pro Mikroliter bzw.

3,12 Tausend Stück / Mikroliter bzw.

3,12 Tausend / µl

Oft sind die Angaben aber nicht in Mikroliter, sondern in Liter, die obere Zahl muss daher multipliziert werden:

3,12 Tausend mal Tausend / Milliliter entspricht

3,12 Tausend mal Tausend mal Tausend / Liter =

3120000000 Stück / Liter

Wem das zu lang ist, der kann auch sagen:

3,12 Milliarden Stück / Liter

Wissenschaftlich ausgedrückt wären das:

3,12 x 10⁹ / Liter

Im Blutbefund steht statt 10⁹ oft „Giga“ bzw. „G“ oder „Gi“:

3,12 G/l bzw. 3,12 Gi/l (wie in meinem letzten Befund)

Wenn man im Mikroskop statt weiße nun rote Blutkörperchen, also Erythrozyten zählt, kommt folgendes raus:

4 Millionen Stück / Mikroliter bzw.

4 000 000 000 000 oder 4 Billionen Stück / Liter

Wissenschaftlich:

4 x 10¹² / Liter oder 4 T/l (Tera)

Bei der heutigen Blutuntersuchung erhielt ich die Ergebnisse des Blutbefundes 6 Monate nach Therapiebeginn. Diesmal wurden offenbar auch Tumormarker bestimmt, die allesamt negativ ausgefallen sind, daher lasse ich sie hier weg. Die einzigen erhöhten bzw. anormalen Werte sind:

GOT 36 U/ml (0-31)

GPT 44 U/ml (0-34)

Leukozyten 3,12 Gi/l (4-10)

Neutrophile 1,43 Gi/l (1,9-8)

Hepatitis B-PCRquant 42 U/ml

Virustiter sinkt also weiterhin, Medikament scheint bei mir deutlich zu wirken. Nächster Termin: 19.01.2010

In der Seitenleiste rechts habe ich ein Feld hinzugefügt, das die letzten fünf Kommentare zu Beiträgen auf diesem Blog zeigt. Anlässlich dieser Neuerung und der Tatsache, dass zahlreiche Leute diesen Blog besuchen, aber nur sehr wenige sich trauen, Fragen oder Kommentare zu äußern, möchte ich darauf hinweisen, dass ich mich über jegliche Rückmeldung sehr freuen würde und auf jeden Fall auf Fragen antworten werde.

Auch wenn die Frequenz der neuen Beiträge deutlich gesunken ist, nehme ich weiterhin Sebivo-Tabletten und sehe auf eine Interferon-Therapie-Vergangenheit zurück. Vielleicht kann ja dem einen oder der anderen mit meinen Erfahrungen geholfen werden. Allerdings: Ich bin kein Arzt und kann Situationen und Verhältnisse nur aus Patientensicht darstellen, auf keinen Fall kann ich Diagnosen stellen oder Therapievorschläge machen. Abgesehen davon: liebe Leserinnen und Leser, bitte fragt, wenn etwas unklar ist.

Ich wollte nicht auf den nächsten Spitalstermin warten und ließ mir die Werte zuschicken.

Blutwerte vom 29.4.09, also ca. 3 Monate nach Therapiestart:

Leukozyten 3,23 G/l (4-10)

Neutrophile 1,44 G/l (1,90-8)

GOT 36 U/l (bis 31)

GPT 43 U/l (bis 42)

HBV-DNA 790 U/ml

Das Ergebnis hat mich wirklich überrascht. Nicht nur, dass die weißen Blutkörperchen sich endlich mal in die richtige Richtung bewegen, sondern besonders, dass der Virentiter derart rasant gesunken ist. Vor der Therapie, als vor 3 Monaten, war der Titer noch bei über 11 Millionen U/ml. jetzt ist er bei 790 U/ml. Ein Abfall von 10⁷ auf 10³, also um 4 Potenzen. Wenn das nicht gut klingt!

Der Vollständigkeit halber: heute erfolgte der dritte Teil meiner Zeckenimpfung, ein Jahr nach den anderen beiden Teilimpfungen, über die ich hier bereits berichtet hatte (siehe „impfen“ im Menü auf der rechten Seite). Leicht dämpfendes Gefühl im linken Arm, sonst bisher alles in Ordnung.

… oder Leukopenie heißt das, was ich habe: zu wenig Leukozyten seit über einem halben Jahr. Ursache: eine vorangegangene Interferontherapie. Glaubt man meiner Ärztin, so kann es nach einer solchen Behandlung bis zu zwei Jahre dauern, ehe sich ein Normalwert für die Leukozyten oder weißen Blutkörperchen wieder eingestellt hat. Solange die Leukozytenzahl allerdings nicht unter 1,5 G/l fällt, ist keine höhere Infektanfälligkeit zu befürchten.

Nun sind es etwa 3 Monate, seitdem ich angefangen habe, Sebivo zu nehmen. Einen Monat nach Therapiebeginn wurde eine Blutuntersuchung gemacht, die Ergebnisse erhielt ich bei der heutigen Kontrolle:

Blutabnahme vom 19.02.2009 (1 Monat nach Therapiestart):

Leukozyten 2,73 G/l (4-10)
GOT 36 U/ml (bis 34)
GPT 43 U/ml (bis 42)

HBV-DNA 20.269 IU/ml

Alle anderen Werte sind im Normalbereich.

Wenn man die oben angeführten Werte mit jenen vergleicht, die kurz vor Therapiebeginn gemacht wurden, erkennt man eine deutliche Wendung zum Positiven: von 11,3 Mio. Viren auf zwanzigtausend hinunter, die Leberwerte sind fast normal. Einzig die Leukozyten etwas schwach, aber wie ich heute erfuhr, ist dies nach einer Interferontherapie möglich: es kann bis zu 2 Jahre dauern, ehe sie sich wieder erholt haben. Allerdings sei mein derzeitiger Wert in keiner Weise als bedenklich einzustufen.

Nebenwirkungen kann ich keine vermerken: es geht mir allerbestens.

Einen Ultraschall der Leber soll ich demnächst machen (1x pro Jahr), allerdings weder im Spital selbst noch erhielt ich eine Überweisung, sondern ich bekam ein Schreiben an den Hausarzt in die Hand gedrückt, damit dieser mit einer Überweisung ausdruckt, mit welcher ich zu einem Radiologen gehen soll.

Nächste Kontrolle in 3 Monaten, am 30. Juli 2009.

In dem Posting vom 18.02.2009 habe ich berichtet, dass eine sehr hilfreiche Homepage der Selbsthilfegruppe Rhein-Main e.V. existiert, bei der man die Möglichkeit hat, Fragen zu Hepatitis-relevanten Themen einzuschicken. Da ich eine Frage hatte, die zu diesem Zeitpunkt von meiner Ärzten noch nicht beantwortet war und ich zudem einmal ausprobieren wollte, wie rasch die Beantwortung ist, schickte ich folgende Anfrage in diesem Formular ein:

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich hätte eine Frage zur HBV-Therapie mit Nukleosidanaloga:

Aufgrund welcher Indikationen wird die Entscheidung für eines der fünf verfügbaren Medikamente (Lamivudin, Adefovir, Tenofovir, Entecavir, Telbivudin) getroffen bzw. welche Entscheidungsgrundlagen sind hier ausschlaggebend?

Zu meiner Vorgeschichte: w24 J., chron. HepB, vermutlich seit Geburt; Hbe-Ag pos., 48-Wo.-Pegasys-Therapie ohne Erfolg; aktuelle Werte: Virenlast 7,7 Mio. IU/ml, AST 43 U/ml, ALT 58 U/ml. Seit 4 Wo. orale Therapie mit Telbivudin 600 mg.

Meinen Nachforschungen zufolge eignet sich Telbivudin nicht für first-line Treatment aufgrund der erhöhten Resistenzentwicklung nach dem 2. Therapiejahr, im Vergleich zu Entecavir oder auch Tenofovir. Da ich allerdings medizinischer Laie bin, kann es sein, dass ich versäume, die Pro-Argumente für meine Behandlungsstrategie zu erkennen. Mit Bitte um Aufklärung und freundlichen Grüßen…

Die Antwort folgte schon 2 Tage später, am 20.02.2009, und lässt sich hier nachlesen.

Ich hatte Glück: Die Oberärztin war nicht nur da, sondern sie war auch für mich da. Sie ist geduldig und drängt nicht, kompetent, erklärt gut, langsam und deutlich, geht auf meine Fragen ein und kann sie zufriedenstellend beantworten – so wie man sich einen Arzt nur wünschen kann.

Erstmal die Blutwerte vom 20.01.09:

Leukozyten 3,22 G/l

Neutrophile 1,18 G/l

Hämoglobin 12,4 g/dl

Hämatokrit 35,9%

Leberwerte wurden keine bestimmt, nur HBV-DNA…

Hepatitis B-PCRquant 11,3 Mio. U/ml

Vergleich: 15.12.08: 7,7 Mio. U/ml. Also innerhalb eines guten Monats haben sich die gemeinen Viecher ordentlich ins Zeug gelegt und etwa ein Drittel mehr von sich selbst produziert. Höchste Zeit für ein bisschen Reverse-Transkriptase-Hemmer.

… und dann natürlich der heißersehnte Genotyp. Ich fragte nach.

„Genotyp C, das wird Ihnen aber ziemlich sicher nichts sagen.“

Ich wusste es. Auf B oder C habe ich getippt, die beiden häufigsten Varianten im asiatischen Raum, eher auf C, weil die Interferontherapie so erfolglos war. Und da sprach sie auch schon weiter:

Je weiter weg von A, desto schlechte die Chancen für einen Erfolg bei der Interferontherapie. Hätten wir den Genotyp (C) eher gewusst, hätten Sie keine Therapie machen müssen. Aber jetzt ist es ja eh schon vorbei.

Wahrscheinlich hat sie Recht. Beizeiten, wenn ich mich genug informiert habe, werde ich ein paar Informationen und Artikel zu den Genotypen und den Heilungschancen hier hineinstellen.

Weitere neue Infos:

Telbivudin und Pille: überhaupt kein Problem, egal welche Dosierung (der Hormone).

Telbivudin und Ernährung: keine Zusammenhänge feststellbar. Ich hatte gefragt, da ich im Internet gelesen hatte, dass man bei Lebererkrankungen wenig Fett, kein Zimt, kein Honig, keine Minze, keine Lebensmittel mit hohem Eisengehalt usw. zu sich nehmen sollte. Die Oberärztin meinte, das dies alles Ratschläge aus der Alternativmedizin seien, die durch Studien bisher nicht belegt werden konnten. Vor 30 Jahren hätte man noch solche Ratschläge von Ärzten erhalten können, inzwischen seien diese Informationen und Zusammenhänge veraltet bzw. nicht beweisbar.

Telbivudin und Alkohol: Während der Interferontherapie und auch davor hatte ich Alkohol vermieden – aus Schutz für die Leber. Während der Nukleosidanaloga-Therapie, so meinte die Ärztin, könne ich einem normalen Alkoholkonsum nachgehen, da durch das Medikament die Virenlast und auch die Transaminasen (Leberwerte) sehr schnell nach unten gehen würden und dann die Leber durch nichts belastet werde. Das war für mich ganz neu.

Informationen zur Leberpunktion oder Leberbiopsie: in einem Gesundheitszentrum wurde mir von einer anderen Hepatologin eindringlich versichert, dass die Leberpunktion alter Standard sei und heute nicht mehr durchgeführt werde, da sie keine Aussage über den Gesamtzustand einer Leber treffen könnte, sondern nur für den Teilbereich, der punktiert werde. Neuester Stand wäre der FibroScan (Elastographie), eine Art Ultraschall, der allerdings aufgrund der Neuartigkeit noch nicht im Einsatz ist. Da diese Informationen der Behandlung, die mir in meinem Spital widerfuhr, widersprachen, erkundigte ich mich heute, wie die Meinung meiner Ärztin zu diesem Thema sei. Die Oberärztin gab zu, dass die Leberpunktion nur mit etwa 80%iger Wahrscheinlichkeit eine Aussage über den Zustand einer Leber treffen könnte, dass sie aber derzeit immer noch das beste bzw. einzige Mittel sei, um wirklich „vor Ort“ nachzusehen, wie es mit dem Gewebe beschaffen sein. Normalerweise (dh. bei hoher Virämie und hohen Transaminasen), wenn Therapieindikationen ohnehin gegeben sind, sei eine Leberpunktion nicht notwendig. Wenn aber z.B. die Virämie hoch sei, aber die Transaminasen normal, würde man die Leberpunktion als Entscheidungshilfe zu einer Therapie sehen: ist das Gewebe in Ordnung, wird nicht therapiert, ist es bereits fibrotisch, ist es höchste Zeit. Die Ärztin würde auf jeden Fall älteren Personen (über 50), die den Virus schon lange in sich tragen, solch eine Untersuchung empfehlen. Der FibroScan sei eine interessante Entwicklung, allerdings noch nicht etabliert und das große Problem sei, dass er nur Absolutaussagen treffen könne: Fibrose ja/nein – während die Leberpunktion meist in einer stufenartigen Beurteilung des Fibrosegrades resultiert (Fibrosegrad 1-4).

Schließlich fragte ich noch, was die Entscheidungsgrundlage in meinem Fall für Sebivo/Telbivudin gewesen ist. Sie meinte, dass zwischen Tenofovir und Telbivudin (Markennamen Viread und Sebivo) kein großer Unterschied bestehe und sie nicht sagen könnte, welches besser sei oder wann man eines nicht nehmen sollte. Beide Medikamente würden nach einer gewissen Anzahl von Jahren zu Resistenzentwicklung des Virus führen und dann müsste man wechseln. Weshalb sie Sebivo vorziehen würde, wäre aufgrund der Möglichkeit, dieses Medikament während der Schwangerschaft weiterhin zu nehmen. Wobei Viread auch demnächst diese Zulassung erhalten würde.

Resistente Viren gegen Baraclude/Entecavir seien hingegen bis heute nicht bekannt, weshalb dieses Medikament (in Österreich und Deutschland) nur dann verschrieben werden dürfe, wenn alle anderen davor schon nichts mehr helfen (quasi als letzte Hoffnung). Es gäbe in Österreich keinen Vertrieb von der Herstellerfirma und das Medikament sei auch nur sehr schwierig zu bekommen bzw. zu verschreiben – lediglich mit besonderen Indikationen.

Ich erhielt ein Rezept für 12 Wochen Sebivo (3x 700 €) und einen neuen Termin am 29.4.09.

Eine Frage, die sich vielen chron. Hepatitis-B-Patienten stellt, ist, ob sie trotz ihrer Erkrankung weiterhin in der Lage sind, ihren Beruf auszuüben. Häufig sind sich daher angehende Mediziner, Gastronomen, Krankenpfleger, Pädagogen unsicher, ob sie durch ihre Erkrankung einer erhöhte Gefahr für ihre Umgebung darstellen.
Wie sich die Situation verhält, ist von Land zu Land unterschiedlich. In manchen Staaten ist es praktisch unmöglich, mit chronischer Hepatitis B überhaupt ein Visum mit Aufenthaltsbewilligung und/oder Arbeitsgenehmigung zu erhalten; in anderen wie Österreich gibt es keinerlei Berufsverbot für Hepatitis-B-Patienten (laut meiner Ärztin).
Wie es in Deutschland ist, habe ich nun nachgelesen, und sehr hilfreich war die Homepage der Hepatitis Selbsthilfegruppe Rhein-Main e.V., die den Service anbietet, Fragen einzuschicken, die von der Selbsthilfegruppe oder auch von Ärzten öffentlich beantwortet werden.
Hier kann man nachlesen, dass ein Vertreter des Gesundheitsamtes Wiesbaden für die meisten Berufe keinerlei Einschränkungen vorsieht, lediglich als Mediziner im operativen Bereich, als Rettungssanitäter sowie in anderen Berufen, wo durch Selbstverletzung ein Infektionsrisiko besteht, werden Hepatitis-B-Träger ausgeschlossen.

Eine Datenbank mit den unterschiedlichsten Fragen und Antworten zu sehr vielen HBV- und HCV-Themen sowie ein Formular zum Einsenden einer eigenen Frage findet sich hier. Eine tolle Website, die einen Besuch wert ist.

Nächste Seite »