
Erkenntnisse
Sonntag, 30. Dezember 20071 - Frau Krankenschwester-am-Schalter ist seit dem vorletzten Mal guter Dinge, wenn sie mich sieht: denn sie erkennt mich wieder, weiß zwar meinen Namen nicht, aber dafür, dass ich schon mal da war. Gestern überraschte sie mich damit, dass sie meinen Vornamen wusste, als ich den Nachnamen nannte. Wahnsinnig interessant, nicht?
2 - Während meines gestrigen Spitalsbesuchs erfuhr ich durch Unterhaltung der Schwestern, dass der Oberarzt, also der Leiter der Abteilung, vulgo “der Grund, warum ich dieses Spital für die Therapie wählte und kein anderes”, entgegen meinen anfänglichen, enttäuschten Vorstellungen, er hätte nur leitende und beratende Funktion, ebenfalls Patienten empfängt, aber offenbar nur ganz spezielle. Die Schwestern tratschen herum und meinten “wo bleibt denn der Patient vom Chef”, was mich zu der Überlegung brachte, was diese speziellen Patienten vor anderen auszeichnet, dass sie zum “Chef” selbst kommen dürfen. Interessante Forschungsfälle? Seltene Krankheiten? Oder schlicht und einfach Privatpatienten?
3 - Jedes neue Rezept für Pegasys muss ich vom Chefarzt meiner Krankenkasse bewilligen lassen, sodass die Kosten wegfallen, aber auch die Rezeptgebühr. Letzten Freitag fragte ich an, wie das mit dem Aerius-Rezept wäre, oder mit der Fettcreme, die ich ja nicht spaßeshalber verwenden würde, sondern weil sie ein Produkt der Therapie darstellen. Daraufhin sagte der sehr nette, geduldige, freundliche Chefarzt folgenden niederschreibenswürdigen Satz: die Krankenkasse bezahlt nur jene Medikamente, die zur Behandlung der Grundkrankheit notwendig sind.
Also wenn ich jetzt Depressionen, Schilddrüsenunterfunktion, Lungenentzündung usw. entwickele, ist das ein (unerwünschter) Nebeneffekt der Therapie und daher vom Patienten selbst zu verantworten / bezahlen, richtig?
Ich muss gestehen, dass ich mir bei Sätzen wie diesem letzten extrem schwer tue. Allein schon die Frage beim Chefarzt, ob die Krankenkasse auch andere Rezepte übernimmt, hat mich Überwindung gekostet, weil ich mir bei jeder Spritze denke, dass sie an die 400 Euro wert ist. Ich bekomme also von der Kasse diese sehr teure Therapie bezahlt, weil ich glücklich bin, in Österreich zu leben, wo das soziale System derart gestaltet ist, dass so etwas fraglos übernommen wird, und nicht z.B. in den USA (oder auch in Deutschland), wo diese Behandlung nicht eine logische Konsequenz aus der Erkrankung in einem bestimmten Zustand ist. Ich zahle keine Beiträge, keinen Selbstbehalt, nicht einmal die Rezeptgebühr, und so hatte und habe ich schlechtes Gewissen, wenn ich um “noch mehr” anfrage, “noch mehr” als die tausenden Euros, die die Therapie kosten wird, verlangen will oder soll, weil es mir eigentlich “eh so gut geht”.