Mein heutiger Spitalsbesuch hat zwei Seiten, die von zwei verschiedenen Doktoren geprägt sind.

Teil 1: Verwirrung
Dr. Y nannte mich heute ihre Patientin, Dr. B. war wieder oder noch immer nicht da. Wie es mir ginge, fragte sie. Ich erzählte von den stechenden Kopfschmerzen am Montag, von der Nackensteife, vom Fieber, vom Schwindel und sah, was sie in meiner Akte notierte: leichte Kopfschmerzen. Dann erwähnte ich den unerträglichen Juckreiz, der mich tagsüber, häufiger aber abends furchtbar heimsucht. Sie schrieb mir ein Rezept für Fenistil-Tabletten (Antihistaminikum), die ich jeden Abend nehmen solle. Allerdings machen sie angeblich sehr müde, deshalb auch „abends“. Ich fragte nach einem neuen Rezept für die Injektionsspritzen. Sie nahm Blut ab und hatte es eilig: klebte sofort ein Tixo über den Tupfer (gerade eben sah ich den Salat: der Tupfer war vollkommen in Blut getränkt und ich habe einen Blut-Knubbel bei der Vene). Ich fragte, wann wir wieder die HBV-DNA bestimmen würden, den Virustiter. Sie sagte, das mache sie alle 3 Monate. Bei Dr. B. waren es alle 4 Wochen. Ich fragte nach einer Kopie der letzten Blutwerte, hier sind sie:

Leukos 1,80
Neutros 0,70
Erys 3,65
Hämoglobin 11,4
Hämatokrit 31,7
Thrombos 100

Sie verabschiedete sich mit „Kontrolle in 4 Wochen“ und draußen war ich.
Dann begann ich erst, nachzudenken. Seltsam, auf einmal in 4 Wochen erst? Klar, schön ist das schon, endlich muss ich nicht so oft dahin. Ich sah mir den Zettel mit den Blutwerten an und entdeckte, dass jemand „1 Wo“ draufgeschrieben hatte, also Kontrolle in einer Woche. Heute sind es aber zwei Wochen, seit ich das letzte Mal dagewesen bin. Offenbar hat niemand mich davon informiert. Ich sah mir die Blutwerte an und wunderte mich nicht mehr, dass der Begutachter meines Befundes mich in einer Woche wiedersehen wollte. Die Neutrophilen sind bei 0,70 (1,9-8,0 wäre Normalwert), das ist ziemlich, ja, sehr niedrig. Ab einem Wert von 0,75 wird es heikel, sagte Dr. X das letzte Mal zu mir. Einmal hatte ich das schon und ich wurde gleich am nächsten Tag von Dr. B. angerufen, dass ich in einer Woche wiederkommen soll. Diesmal ist es offenbar an allen vorübergegangen. Tja. Und dass ich nun erst in 4 Wochen wiederkommen soll, wo a) das letzte Blutbild schlecht war und b) ich erwähnt habe, dass ich Fieber usw. hatte, ist dann natürlich auch seltsam. Aber sie werden schon wissen, was sie tun… Einzig die Thrombozyten mit 100 G/l schauen etwas besser aus als sonst. Ich habe ein Diagramm mit den Verläufen der Blutwerte gemacht, da sieht man alles viel übersichtlicher, und werde es bei Gelegenheit auf diese Seite laden.

Teil 2: Aufklärung

Mit meinem neuen Rezept marschierte ich zum Chefarzt, wie immer, um eine Bewilligung der Kasse zu holen. Ich mag ihn – er nimmt sich immer so viel Zeit wie nötig für mich, ist geduldig, beantwortet alle meine Fragen ausführlich und fragt immer, wie es mir mit den Spritzen geht, obwohl es eigentlich nicht sein Job ist: er sitzt nur in dem Büro und beschäftigt sich mit dem bürokratischen Kram seiner Kasse, aber er ist nicht mein behandelnder Arzt. Wieder einmal also nahm er mein Rezept zur Hand, um es zu registrieren und merkte an, dass ich für das Fenistil Rezeptgebühr bezahlen müsse, weil ich nicht allgemein rezeptgebührbefreit wäre, sondern nur für das Interferon. Er tippte eine Weile am Computer herum, um meine Daten einzutragen, dann fragte ich aus Neugier, ob der Preisunterschied zwischen der Spritze mit 180 µg und 135 µg nicht so groß wäre, dass man immer die 180 µg verschreibt, unabhängig von der Dosis. Er antwortete, dass der Preisunterschied sehr wohl groß sei und was ich damit meine. Er sah in einer Liste nach und berechnete mir 100 Euro Unterschied zwischen den beiden Spritzen. Ich erklärte, dass ich beinahe seit Anfang der Therapie 135 µg spritze wegen der schlechten Blutwerte, doch dass ich immer 180 µg-Spritzen verschrieben bekam, da wir nie sicher waren, ob ich bei besseren Werten die Dosis erhöhen würde. Da ich dieses Mal allerdings erst in 4 Wochen wiederkäme und 135 µg weiterspritze, hätte ich ja eigentlich eine Packung mit den richtigen Spritzen bekommen können. Als ich aber in der Vergangenheit einmal meine Ärztin diesbezüglich fragte, meinte sie, dass das keinen Unterschied mache. Dem Chefarzt fielen fast die Augen raus und er fing an zu lamentieren, dass ich ja schon 7 Mal eine Packung erhalten hätte, bei welcher ich was weggespritzt hätte, und dass ich ja nicht die einzige Patientin sei, die die erniedrigte Dosis spritzt. Mein Rezept landete im Kopierer und er meinte, er müsse mit dem Leiter der Ambulanz mal ein Wörtchen reden, dass das so nicht geht. Seine untergeordneten Ärzte müssten informiert werden, dass sie sich nicht solcherlei erlauben dürfen, immerhin koste das der Krankenkasse unnötig viel Geld, das dann an anderen Stellen fehlen würde. Wie meine Ärztin heiße, doch das wusste ich nicht. Macht nichts, er würde das schon herausfinden. Er bedankte sich ausführlich bei mir und ich ging.

War das jetzt Petzen?