Sie haben alle gelogen, dachte ich mir, als ich ein Nachthemd in die Hand gedrückt bekam und mir ein Bett zugewiesen wurde. Ich hatte mir basierend auf Internetberichten vorgestellt, dass ich mich auf eine Liege lege, das T-Shirt hochziehe, zwei Piekser (1x Betäubung, 1x Punktion) bekomme, ein paar Stunden liegen bleiben muss und dann wieder gehen kann. Es war ganz anders.
Um kurz vor 8 Uhr morgens war ich auf der Station. Erst als ich das Bett bekam, dünkte mir, dass die ganze Sache doch aufwändiger werden sollte; aufwändig für jemanden, der noch nie einen Tag im Krankenhaus verbracht hat. Am wenigsten mochte ich den Arzt, der mir den Schlauch in die Vene des linken Arztes spritzte und mich zustöpselte. Fühlt sich seltsam an, wenn man das Gefühl hat, dass eine kurze Drehung am Plastikventil mich ausbluten lassen könnte. Dann die Beruhigungstablette (standardmäßig), die ich (traditionell) nicht schlucken kann. EKG am Gang, weil kein Zimmer frei ist, die Passanten blicken neugierig auf den verkabelten Körper.
Die Punktion an sich, da muss ich meinen vielen Vorrednern im Netz Recht geben, ist wirklich keine große Sache. Zuerst wird ein sehr genauer Ultraschall des rechten Unterbauchbereichs gemacht, mit Luftanhalten und auf-die-Seite-Drehen. Danach wird mit einer orangen, alkoholhältigen Flüssigkeit der gesamte Bereich desinfiziert bzw. eingerieben, die restlichen Stellen mit den bekannten operationsgrünen Tüchern abgedeckt. Noch mal ein Ultraschall und schon schreitet der Spezialist zur ersten Spritze: lokale Betäubung. Wenn es anfängt, zu brennen, dann wirkt sie, sagt er. Es brennt nicht und ich will beginnen, etwas zu sagen. Er unterbricht mich und bittet darum, nicht zu sprechen. Spritzt noch einmal, denke ich im ersten Augenblick, bis ich eine halbe Sekunde später das Gefühl habe, er gräbt mit einer Schaufel in meinen Eingeweiden. Es tut eigentlich nicht wirklich weh, sondern fühlt sich nur seltsam und unangenehm an: wie eine dicke Stange, mit der im Bauch gerührt wird. Das Gefühl dauert nur kurz, 2 oder 3 Sekunden an, dann sagt er: fertig und zeigt mir das Werkzeug, mit dem er punktiert hat. Er löst die Leberprobe aus der Nadel heraus, legt sie auf Fixiermaterial eröffnet mir den Vorteil einer lokalen Betäubung: ich darf einen Blick auf ein Stück meiner Leber werfen - ein rötlicher und leicht glänzender Zylinder mit 0,95 mm Durchmesser und 2 cm Länge.
Den Rest des Krankenhaustages - 5 Stunden - verbringe ich liegend, mich möglichst wenig bewegend, damit der Blutdruck nicht steigt und es aus einer inneren Verletzung hinausblutet. Es gibt ein mildes, gutes Mittagessen bestehend aus einer Suppe mit Einlage, Wurzelgemüse und gekochtem Rindfleisch sowie geriebenem Apfel und einem hellen Sandkuchen. Mein Begleiter, der so gut wie alle erlaubten Stunden an meiner Seite verbracht hat, peppt das Mittagessen mit einem Apfel, gespritztem Apfelsaft, Kakao und einer Milchschnitte auf. Am Ende des Tages erlaubt eine letzte Ultraschallkontrolle, dass ich nachhause gehe und endlich kommt auch der Schlauch aus mir hinaus.
Fazit: In meiner Vorstellung zuvor war die Punktion schmerzhafter abgelaufen, ich hatte einen richtigen, tiefen Stich in den Bauch erwartet. Wenn ich das übliche Krankenhausprozedere bereits gekannt hätte, wäre es tatsächlich kein sehr aufregender Tag gewesen, da der Eingriff an sich sehr schnell, komplikationslos und kaum schmerzerregend erfolgt ist.