Archive for the 'spital' Category

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Schöne Aussichten

Montag, 5. Mai 2008

Ich glaube, diesmal habe ich ewig gewartet, so fühlte es sich jedenfalls an. Oberärztin Dr. H. war meine heutige Ansprechpartnerin und erkundigte sich gleich nach meinem Wohlergehen. Ich begann mit meiner Fragenliste.

a) Wird das Interferon bei besseren Werten noch erhöht oder bleibe ich bei 135 µg? Bei einer der vorherigen Ärztinnen hieß es nämlich, dass mehr Interferon die Therapiechancen erhöht.
Mit einem Blick auf meine Blutwerte meinte sie, dass wir bei 135 µg bleiben, denn so gut seien die auch wieder nicht.

b) Wie stehen Sie zu einer Ganglion-Operation während der Therapie? Problematisch? Soll ich das im Haus machen?

Kein Problem.

c) Warum wird die HBV-DNA; sprich der Titer nicht mehr gemessen? Ist der Titer nicht ein Indiz dafür, wie infektiös ich bin? Gemäß den deutschen Leitlinien zur Hepatitis-B-Therapie sollte der Titer während des Therapieverlaufs kontrolliert werden, auch wenn die Fachwelt sich nicht darauf einigen kann, dass man aus dem Titer etwas über den Erfolg der Therapie herauslesen kann.
Hier hielt sie mir einen langen Vortrag über Infektiösität. Der Titer ist in doppeltem Sinne unnötig: erstens widerspiegelt ein hoher Titer keinen temporären Misserfolg der Therapie und umgekehrt. Zweitens sollte oder würde ein hoher Titer mein Verhalten nicht ändern, insofern ist es unnötig ihn zu bestimmen. Dr. H. meinte auch, dass ich meinen Arbeitskollegen nichts hätte sagen müssen oder sollen, da die Infektionsgefahr ohnehin gering sein würde. Als ich die Geschichte mit dem Kollegen und Speichelspritzer erzählte, lachte sie und meinte, genau so was wolle man verhindern - warum sollte ein HepB-Patient diesbezüglich Probleme in seiner Umwelt bekommen, nur weil sie überempfindlich reagiert? Die einzige Empfehlung, die sie abgab, war, dass nahe Kontaktpersonen, zum Beispiel solche, die im gleichen Haushalt leben, sich impfen lassen sollten, alle anderen müssten nicht einmal davon erfahren.

d) Was geschieht, nachdem dieses Jahr der Therapie abgeschlossen ist bei positivem und bei negativem Ausgang?
News: die Therapie dauert nicht 52 Wochen, wie mir bisher gesagt wurde, sondern nur 48 Wochen, d.h. ich wäre im August fertig damit. Dann würde man 3 und 6 Monate später eine DNA-Titer Kontrolle nachschieben, um zu sehen, ob der Virus unter 10^4 U/ml ist (das ist nicht die Nachweisgrenze, aber eine Grenze, unter welcher man sagt, dass die Therapie erfolgreich ist). In 30% der Fälle würde das geschehen, der Rest würde mit einer Tabletten-Therapie fortsetzen: Nukleosidanaloga, die im Gegensatz zum Interferon direkt den Virus an seiner Vermehrung stören sollen. Im Krankenhaus würde man mit Telbiduvin behandeln, einem Medikament, das vor kurzem in der EU zugelassen wurde und am vielversprechendesten in Studien reagieren konnte (im Vergleich zu Adefovir und Lamivudin). Es wird einmal täglich eingenommen (600 mg Tablette, ojemine), auf wie lange, war mir nicht klar - mir wurde erklärt, dass es das Medikament der Wahl bei älteren Patienen wäre, da es nicht so schlimm sei, wenn sie ihr ganzes Leben Tabletten schlucken müssten, und auch bei Patienten, die die Interferontherapie erfolglos hinter sich gebracht hätten. Der Preis bewegt sich zumindest im Internet um die 500 € für 28 Stück, also knapp ein Monat, insofern etwas weniger als die Hälfte von Interferon, aber dennoch nicht billig.
Hier gibt es nähere Informationen dazu:
Allgemeines (deutsch)
Fachliche Infos zum Medikament (Novartis, pdf-Datei, englisch)
Studien-Beschreibung und weiterführende Links (Pharmazeutische Zeitung, deutsch)
Packungsbeilage von Novartis (pdf-Datei, deutsch)

Blutwerte vom letzten Mal (7.4.08)

Leukos 2,10
Neutros 0,74
Erys 3,43
Hämoglobin 10,5
Hämatokrit 29,5
Thrombos 90

Danach schaute ich in der plastischen Chirurgie vorbei wegen des Ganglions und erkundigte mich, wie es mit den Terminen aussieht: keine Terminvergabe, man komme einfach Dienstag 11 Uhr oder Freitag 9 Uhr (und mache sich auf lange Wartezeiten gefasst). Dann zum Chefarzt wegen des neuen Rezepts, der auch meine MRT-Bewilligung unterschrieb - zum Glück, denn so erspare ich mir einen weiteren Weg.

Zeckenimpfung dann gleich danach, diesmal sind die Nebenwirkungen zum Glück nicht so schlimm, nur ein leichtes Taubheitsgefühl im Arm, aber er ist voll einsatzfähig, auch am Tag danach.

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Dr. P.

Montag, 7. April 2008

Eine mir bisher unbekannte, junge Dr. P. nahm mich heute in Behandlung. Sie erkundigte sich nach meinen Nebenwirkungen, fragte, wie meine Reise war, ob Kopfschmerzen und Juckreiz noch anhalten. Ich nannte nur Müdigkeit und Juckreiz.
Die Werte vom letzten Mal seien nicht so schlecht:

Leukos 2,65
Neutros 1,00
Erys 3,71
Hämoglobin 11,4
Hämatokrit 31,9
Thrombos 91

Ich fragte, wann wieder die HBV-DNA gemacht wird. Und erhielt folgende Information: während der Therapie werde der Titer eigentlich nicht gemessen, da dies unnötig sei. Die Fortführung der Therapie hänge nicht von der Höhe des Titers ab, zudem könne dieser unabhängig vom Interferon oszillieren. Gemessen werde erst nach beendeter Therapie.
Aha.
Auf Wiedersehen in 4 Wochen.

Neues Rezept, Bewilligung vom Chefarzt.

Danach ab zur Zeckenimpfung, Grundimmunisierung.

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Ein neuer Doktor

Freitag, 7. März 2008

Vorerst mal die Info, auf die ich schon Monate warte: Meine liebe Dr. B. ist nicht mehr Oberärztin in meinem Spital, sondern schon vor einiger Zeit woandershin gegangen. Stattdessen betreut nun eine neue OA “Dr. H.” einen Gutteil der Patienten der Station - und sie war es auch, die mich heute nach 2-stündigem Warten aufrief.
Schon etwas älter, sehr freundlich und geduldig, hatte offenbar schon mindestens einen Blick in meine Akte geworfen, ehe sie anfing, zu mir zu sprechen.

Impfungen seien ganz generell überhaupt kein Problem (ich hatte wegen der Zeckenimpfung gefragt).

Die Blutwerte vom letzten Mal seien nicht so berauschend wie immer:

Erys 3,71
Hämoglobin 11,4
Hämatokrit 32,4
Leukos 2,04
Thrombos 83
Neutros 9,67

Außerdem noch Leberwerte:

GOT 57
GPT 58

Also immer noch deutlich erhöht. Dr. H. meinte, dass das Interferon nur auf die Leukozyten geht, nicht auf die roten Blutkörperchen. Wahrscheinlich hätte ich vor der Therapie schon grenzwertige Erys gehabt. Nein, sagte ich. Sie sah meine alten Befunde an. Stimmt. Offenbar habe das Interferon ziemlich starke Nebenwirkungen auf mich. Das Knochenmark sei sehr beeinträchtigt. Wir spritzen weiter 135 µg - sprachs und schrieb mir ein Rezept, das ich gleich einsteckte.

Ich erzählte von dem kleinen Knubbel an meinem rechten Handgelenk, der schmerzt, wenn man leicht draufklopft, ob das mit einer Entzündungserscheinung, hervorgerufen durch das Interferon, zu tun haben könnte? Sie meinte, nein, das sieht aus wie ein Überbein, ein Weichteiltumor. Käme davon, wenn man seine Hand zu sehr einseitig belaste, was ich denn arbeiten würde, viel mit Computer oder so? Ich meinte, naja, nicht primär, ich würde eben in einem Labor arbeiten, pipettieren. Das sei es, meinte sie, Sie pipettieren rechts, oder? Ich musste ihr rechtgeben und sie ersuchte mich, einen Arzt diesbezüglich aufzusuchen, der mir Tipps geben kann, wie ich damit umgehen soll, weggehen tue es im allgemeinen nicht mehr, meinte sie. Operativ entfernen sei manchmal eine Lösung.

Dann fragte ich nach einer Bestätigung für den Transport einer Spritze im Flugzeug, auf Deutsch und Englisch, so wie es mir die Dame von der Fluggesellschaft geheißen hatte. Dr. H. meinte, auf Englisch muss es reichen, immerhin habe sie keine Sekretärin und müsse alles selber tippen. Sie nahm Blut ab und entließ mich.

Am Schalter erhielt ich ein paar Minuten später von Dr. H. die Bestätigung durchgereicht. Ich überflog sie:


Mrs. Berger is under a current treatment for a chronic disease.
She has to inject Pegasys once weekly s.c.

The treatment should not be interrupted, so Mrs. Berger has to take one injection with her on the journey.

Ich gab die Bestätigung an die Schwester zurück und meinte, dass der Name nicht stimme, und das vermutlich schon etwas ausmachen würde. Klar, lachte sie, und gab den Zettel weiter. Kurz warten, in der Schlange wieder anstehen, dann erhielt ich die neu ausgedruckte Bestätigung von Dr. H. in die Hand gedrückt - jetzt sollte alles passen, sagte sie und verschwand. Ich sah auf den Zettel - “Berger” war durch meinen Nachnamen ausgetauscht worden, ja, aber nur das erste “Berger”. Wieder zum Schalter, Schwester bitten, dass der zweite Name auch ausgetauscht wird. Nochmal zu Dr. H., wieder reichte sie mir den neuen Wisch in die Hände und meinte, schauen Sie, ob es nun stimmt. Ich nickte und ging, hoffentlich reicht das für den Flug. Ich bin zwar nicht verheiratet (”Mrs.”), die Medikamentenbeschreibung ist nicht besonders genau, und es gibt auch keine Erwähnung darüber, für welchen Zeitraum diese Bestätigung gilt, aber ich hoffe wirklich, das reicht.

Dann ging ich zum Chefarzt wegen der Bewilligung für mein neues Spritzenrezept. Drückte ihm das Rezept in die Hand, er sah es kaum an, da sagte er schon: da fehlt die Unterschrift. Ohne Unterschrift bekommen Sie das Medikament nicht, egal was ich draufschreibe. Also nach dem Chefarzt wieder rauf auf den Hügel, zur Abteilung eilen, zwei Stiefen hinauf, anstellen, drankommen, einen mitleidigen Blick von der Schwester ernten “Sie Arme, zum Glück ist heute Freitag” und dann endlich das Spitalsgelände verlassen.

Nächster Termin Montag, 7. April 2008.

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Verwirrung und Aufklärung

Freitag, 8. Februar 2008

Mein heutiger Spitalsbesuch hat zwei Seiten, die von zwei verschiedenen Doktoren geprägt sind.

Teil 1: Verwirrung
Dr. Y nannte mich heute ihre Patientin, Dr. B. war wieder oder noch immer nicht da. Wie es mir ginge, fragte sie. Ich erzählte von den stechenden Kopfschmerzen am Montag, von der Nackensteife, vom Fieber, vom Schwindel und sah, was sie in meiner Akte notierte: leichte Kopfschmerzen. Dann erwähnte ich den unerträglichen Juckreiz, der mich tagsüber, häufiger aber abends furchtbar heimsucht. Sie schrieb mir ein Rezept für Fenistil-Tabletten (Antihistaminikum), die ich jeden Abend nehmen solle. Allerdings machen sie angeblich sehr müde, deshalb auch “abends”. Ich fragte nach einem neuen Rezept für die Injektionsspritzen. Sie nahm Blut ab und hatte es eilig: klebte sofort ein Tixo über den Tupfer (gerade eben sah ich den Salat: der Tupfer war vollkommen in Blut getränkt und ich habe einen Blut-Knubbel bei der Vene). Ich fragte, wann wir wieder die HBV-DNA bestimmen würden, den Virustiter. Sie sagte, das mache sie alle 3 Monate. Bei Dr. B. waren es alle 4 Wochen. Ich fragte nach einer Kopie der letzten Blutwerte, hier sind sie:

Leukos 1,80
Neutros 0,70
Erys 3,65
Hämoglobin 11,4
Hämatokrit 31,7
Thrombos 100

Sie verabschiedete sich mit “Kontrolle in 4 Wochen” und draußen war ich.
Dann begann ich erst, nachzudenken. Seltsam, auf einmal in 4 Wochen erst? Klar, schön ist das schon, endlich muss ich nicht so oft dahin. Ich sah mir den Zettel mit den Blutwerten an und entdeckte, dass jemand “1 Wo” draufgeschrieben hatte, also Kontrolle in einer Woche. Heute sind es aber zwei Wochen, seit ich das letzte Mal dagewesen bin. Offenbar hat niemand mich davon informiert. Ich sah mir die Blutwerte an und wunderte mich nicht mehr, dass der Begutachter meines Befundes mich in einer Woche wiedersehen wollte. Die Neutrophilen sind bei 0,70 (1,9-8,0 wäre Normalwert), das ist ziemlich, ja, sehr niedrig. Ab einem Wert von 0,75 wird es heikel, sagte Dr. X das letzte Mal zu mir. Einmal hatte ich das schon und ich wurde gleich am nächsten Tag von Dr. B. angerufen, dass ich in einer Woche wiederkommen soll. Diesmal ist es offenbar an allen vorübergegangen. Tja. Und dass ich nun erst in 4 Wochen wiederkommen soll, wo a) das letzte Blutbild schlecht war und b) ich erwähnt habe, dass ich Fieber usw. hatte, ist dann natürlich auch seltsam. Aber sie werden schon wissen, was sie tun… Einzig die Thrombozyten mit 100 G/l schauen etwas besser aus als sonst. Ich habe ein Diagramm mit den Verläufen der Blutwerte gemacht, da sieht man alles viel übersichtlicher, und werde es bei Gelegenheit auf diese Seite laden.

Teil 2: Aufklärung

Mit meinem neuen Rezept marschierte ich zum Chefarzt, wie immer, um eine Bewilligung der Kasse zu holen. Ich mag ihn - er nimmt sich immer so viel Zeit wie nötig für mich, ist geduldig, beantwortet alle meine Fragen ausführlich und fragt immer, wie es mir mit den Spritzen geht, obwohl es eigentlich nicht sein Job ist: er sitzt nur in dem Büro und beschäftigt sich mit dem bürokratischen Kram seiner Kasse, aber er ist nicht mein behandelnder Arzt. Wieder einmal also nahm er mein Rezept zur Hand, um es zu registrieren und merkte an, dass ich für das Fenistil Rezeptgebühr bezahlen müsse, weil ich nicht allgemein rezeptgebührbefreit wäre, sondern nur für das Interferon. Er tippte eine Weile am Computer herum, um meine Daten einzutragen, dann fragte ich aus Neugier, ob der Preisunterschied zwischen der Spritze mit 180 µg und 135 µg nicht so groß wäre, dass man immer die 180 µg verschreibt, unabhängig von der Dosis. Er antwortete, dass der Preisunterschied sehr wohl groß sei und was ich damit meine. Er sah in einer Liste nach und berechnete mir 100 Euro Unterschied zwischen den beiden Spritzen. Ich erklärte, dass ich beinahe seit Anfang der Therapie 135 µg spritze wegen der schlechten Blutwerte, doch dass ich immer 180 µg-Spritzen verschrieben bekam, da wir nie sicher waren, ob ich bei besseren Werten die Dosis erhöhen würde. Da ich dieses Mal allerdings erst in 4 Wochen wiederkäme und 135 µg weiterspritze, hätte ich ja eigentlich eine Packung mit den richtigen Spritzen bekommen können. Als ich aber in der Vergangenheit einmal meine Ärztin diesbezüglich fragte, meinte sie, dass das keinen Unterschied mache. Dem Chefarzt fielen fast die Augen raus und er fing an zu lamentieren, dass ich ja schon 7 Mal eine Packung erhalten hätte, bei welcher ich was weggespritzt hätte, und dass ich ja nicht die einzige Patientin sei, die die erniedrigte Dosis spritzt. Mein Rezept landete im Kopierer und er meinte, er müsse mit dem Leiter der Ambulanz mal ein Wörtchen reden, dass das so nicht geht. Seine untergeordneten Ärzte müssten informiert werden, dass sie sich nicht solcherlei erlauben dürfen, immerhin koste das der Krankenkasse unnötig viel Geld, das dann an anderen Stellen fehlen würde. Wie meine Ärztin heiße, doch das wusste ich nicht. Macht nichts, er würde das schon herausfinden. Er bedankte sich ausführlich bei mir und ich ging.

War das jetzt Petzen?

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Dr. X zum zweiten

Freitag, 25. Januar 2008

Scheint, als hätte Dr. B. sich verflüchtigt. Ich hatte Glück im Unglück und wurde von Dr. X aufgerufen, jene junge, zwar unerfahrene, aber sehr aufmerksame und geduldige Ärztin. Ich erzählte von den Entzündungen, die ich hatte und wie sie behandelt wurden, von der Polio-Impfung und davon, dass ich aufgehört habe, mit dem Pflaster zu verhüten, weil der Juckreiz unerträglich wurde an der Klebestelle. Ob ich die Pille nehmen dürfe, fragte ich. Sie war sich unsicher und ging zum Chefarzt: kein Problem. Ich fragte, ob es besser ist, mehr Interferon zu spritzen oder ob man das nicht sagen kann, weil es z.B. vom Körpergewicht abhängig ist. Ich bin ja im Moment mit 135 µg unterwegs. Sie meinte, mehr sei natürlich besser, weil schlechter für das Virus und ging dann den Chefarzt fragen, ob ich wieder mehr spritzen soll. Ja, ich soll. Ich fragte daraufhin, ob wir nicht das heutige Blutbild abwarten sollten, um eine Entscheidung zu treffen, sie stimmte mir zu und bat mich, gegen 12 Uhr deswegen anzurufen. Resultat: 135 µg, Visite in 2 Wochen.

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Dr. Y

Freitag, 11. Januar 2008

Mit dem heutigen Tage stelle ich einen Rekord in Sachen Spitalsbesuch auf: ich wartete 2 Stunden lang im Wartezimmer, ehe mir für 2 Minuten ärztliche Aufmerksamkeit geschenkt wurde.
Dr. B. war diesmal offenbar nicht da - Dr. X vom letzten Mal und eine unbekannte Dr. Y wuselten zwischen Wartezimmer und Behandlungszimmer hin und her. Während des Wartens überlegte ich, ob es spannender wäre, zu Dr. X zu kommen, die sich nicht auskennt, aber sehr bemüht ist, oder zu der unbekannten Dr. Y, mit etwas Glück erweist sie sich ja als kompetent. Zu letzteren wurde ich schließlich schicksalsbedingt aufgerufen. Sie schenkte mit genau 2 Minuten ihrer Arbeitszeit und zwar, um mir eine einzige Frage zu stellen, nämlich “wie geht’s?”. Dann stellte sie nach einem minutenlangen Blick auf die Akte fest, dass ich Pegasys spritzen würde und nahm mir Blut ab. Ich solle weiterhin 135 µg spritzen und würde einen Brief in der nächsten Woche erhalten, wann ich wiederzukommen habe. Auf Wiedersehen.

Blutwerte vom letzten Mal:

Leukos 2,07
Neutros 0,78
Erys 3,54
Hämoglobin 10,9
Hämatokrit 30,6
Thrombos 94

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Erkenntnisse

Sonntag, 30. Dezember 2007

1 - Frau Krankenschwester-am-Schalter ist seit dem vorletzten Mal guter Dinge, wenn sie mich sieht: denn sie erkennt mich wieder, weiß zwar meinen Namen nicht, aber dafür, dass ich schon mal da war. Gestern überraschte sie mich damit, dass sie meinen Vornamen wusste, als ich den Nachnamen nannte. Wahnsinnig interessant, nicht?

2 - Während meines gestrigen Spitalsbesuchs erfuhr ich durch Unterhaltung der Schwestern, dass der Oberarzt, also der Leiter der Abteilung, vulgo “der Grund, warum ich dieses Spital für die Therapie wählte und kein anderes”, entgegen meinen anfänglichen, enttäuschten Vorstellungen, er hätte nur leitende und beratende Funktion, ebenfalls Patienten empfängt, aber offenbar nur ganz spezielle. Die Schwestern tratschen herum und meinten “wo bleibt denn der Patient vom Chef”, was mich zu der Überlegung brachte, was diese speziellen Patienten vor anderen auszeichnet, dass sie zum “Chef” selbst kommen dürfen. Interessante Forschungsfälle? Seltene Krankheiten? Oder schlicht und einfach Privatpatienten?

3 - Jedes neue Rezept für Pegasys muss ich vom Chefarzt meiner Krankenkasse bewilligen lassen, sodass die Kosten wegfallen, aber auch die Rezeptgebühr. Letzten Freitag fragte ich an, wie das mit dem Aerius-Rezept wäre, oder mit der Fettcreme, die ich ja nicht spaßeshalber verwenden würde, sondern weil sie ein Produkt der Therapie darstellen. Daraufhin sagte der sehr nette, geduldige, freundliche Chefarzt folgenden niederschreibenswürdigen Satz: die Krankenkasse bezahlt nur jene Medikamente, die zur Behandlung der Grundkrankheit notwendig sind.

Also wenn ich jetzt Depressionen, Schilddrüsenunterfunktion, Lungenentzündung usw. entwickele, ist das ein (unerwünschter) Nebeneffekt der Therapie und daher vom Patienten selbst zu verantworten / bezahlen, richtig?

Ich muss gestehen, dass ich mir bei Sätzen wie diesem letzten extrem schwer tue. Allein schon die Frage beim Chefarzt, ob die Krankenkasse auch andere Rezepte übernimmt, hat mich Überwindung gekostet, weil ich mir bei jeder Spritze denke, dass sie an die 400 Euro wert ist. Ich bekomme also von der Kasse diese sehr teure Therapie bezahlt, weil ich glücklich bin, in Österreich zu leben, wo das soziale System derart gestaltet ist, dass so etwas fraglos übernommen wird, und nicht z.B. in den USA (oder auch in Deutschland), wo diese Behandlung nicht eine logische Konsequenz aus der Erkrankung in einem bestimmten Zustand ist. Ich zahle keine Beiträge, keinen Selbstbehalt, nicht einmal die Rezeptgebühr, und so hatte und habe ich schlechtes Gewissen, wenn ich um “noch mehr” anfrage, “noch mehr” als die tausenden Euros, die die Therapie kosten wird, verlangen will oder soll, weil es mir eigentlich “eh so gut geht”.

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Dr. X

Freitag, 28. Dezember 2007

Kaum hatte ich mich im Wartezimmer hingesetzt, als ich nach wenigen Minuten schon aufgerufen wurde, obwohl sicher 10 andere Leute bereits vor mir dort saßen. Die Stimme war mir fremd, keine Dr. B. jedenfalls. Eine weibliche Dr. X, wenig erfahren in meiner Krankheit und Therapie, aber sehr geduldig und eifrig, jemanden zu finden, der meine Fragen beantworten kann. Sie nahm sich mit Abstand die längste Zeit, die sich ein Arzt in den letzten Monaten für mich genommen hat.

Erst einmal wieder ein HBV-DNA-Wert, der mich weniger optimistisch stimmt als das letzte Mal, weil er etwa um 100000 Einheiten höher ist:

HBV-DNA 288100 U/ml

Ad Impfen: die Polio-Auffrischungsimpfung sei kein Problem, sie notierte allerdings meine Anfrage in der Akte.

Ad Nebenwirkungen: ich erwähnte den Juckreiz, der immer stärker zu werden scheint, während die Müdigkeit tagsüber ganz leicht nachließ in den letzten beiden Wochen. Aber das Jucken ist sehr lästig. Ein paar Mal wachte ich nachts alle zwei Stunden auf, weil es mich überall so juckte und kratzte, bis es blutete. Ja, ich weiß, ganz schlechte Angewohnheit, aber dieser Juckreiz ist noch nie in diesem Ausmaß dagewesen und helfen tun nur Kratzen oder Verbrennen mit heißem Duschwasser. Demnach ist also die Haut übersät mit kleinen Verletzten und Wunden, die aus diesem Kratzen entstanden sind, zusätzlich ein paar blaue Flecken und gerötete Stellen, die auf eine noch unerklärbare Reaktion zurückzuführen sind - toll schaue ich im Moment aus. Dr. X schrieb mit ein Privatrezept auf für Excipial Lipolotio, eine rückfettende Creme, die auch die Schwestern im Spital verwenden (ich sah die Flasche am Tisch stehen). Allerdings hilft diese Creme in erster Linie gegen trockene Haut (enthält u.a. das bekannte Urea, also Harnstoff), welche ich nicht habe, die Haut ist glatt und unauffällig,  juckt aber furchtbar-schrecklich. Außerdem schrieb sie mir noch ein richtiges Rezept auf, und zwar für Aerius. Das sind kleine Filmtabletten, die Antihistaminika enthalten, welche allergische Reaktionen unterdrücken, indem sich die Substanz an die Histamin-Rezeptoren dranhängt und diese blockiert. Dadurch werden typische allergische Symptome nicht ausgelöst, u.a. eben Juckreiz. Ich soll eine Tablette abends schlucken, wenn ich nicht einschlafen kann.

Weder das eine noch das andere Rezept habe ich bisher eingelöst. Die Creme erfüllt nicht ganz meinen erwünschten Sinn und ist zudem noch ziemlich teuer, zumindest im Internet: knapp 15 Euro müsste man für 500 ml bezahlen und wenn ich mir ansehe, wie schnell bei mir die Cremes weggehen, die ich allabendlich auf meinen gesamten Hautflächen verteile, ginge diese neue Creme ganz schön ins Geld und hülfe wahrscheinlich nicht mal mehr als andere Fettcremes. Und die Tabletten - nun, bisher tritt dieses nächtliche Aufwachen nicht konsequent auf, und ein paar Mal war daran auch nicht der Juckreiz schuld, sondern stark brennende Mundtrockenheit bzw. Halstrockenheit, wie ich es nennen würde, welche auch alle 2-3 Stunden nachts eintrat und sich nur durch einen Schluck Wasser beseitigen ließ. Also keine konsequenten Symptome, die sich halten und deshalb warte ich lieber noch ein bisschen ab. Wenn es drastisch schlimmer wird, werde ich mir die Tabletten überlegen, allerdings scheinen sie auch nicht unbedingt auf regelmäßiger Basis eingenommen gesund zu sein, da Dr. X ausdrücklich meinte, abends, und nur wenn es wirklich nicht zum Aushalten ist.

Ad Krankwerden: mir ist heuer aufgefallen, dass ich wie zum Trotz all jener, die um mich herum erkälten, fiebrig werden oder mitleiderregend husten (Kollegen, Partner) keinerlei Tendenzen dazu zeige, selbst krank zu werden. In der Arbeit wird einer nach dem anderen von der Viruswelle, die sich via Kind-Mutter-Kontakt einschleppte, erfasst, nur ich gehe ohne irgendetwas aus, und das bereits mehrmals diesen Winter. Ich beschwere mich nicht, nein, aber ich hätte gerade bei den nicht so idealen Blutwerten erwartet, dass das Immunsystem mangels weißen Blutkörperchen etwas angeschlagen ist und ich daher eher leichter krank werde. Allerdings hat das Nicht-Krankwerden laut Dr. X nichts mit Interferon zu tun und ich soll mich einfach so glücklich schätzen.

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Krankenkassenpatient

Freitag, 14. Dezember 2007

Schade, Dr. B. hatte heute wieder einmal keine Zeit für mich, obwohl sie schon anwesend war. Stattdessen der motivierte Doktor vom letzten Mal, der wiederholt nach ein paar Minuten Studieren meiner Akte feststellte, dass ich chronische Hepatitis B hätte und seit August eine Therapie machte.

Ob ich während der Therapie Impfen gehen kann, wusste er mir nicht zu beantworten und zeigte auch keinerlei Tendenzen, eine Antwort in Erfahrung zu bringen.

Werte vom letzten Mal, das war der 30.11.:

Erys 3,92
Hämoglobin 11,8
Hämatokrit 32,7
MCV 83,4
MCHC 36,1
RDW 14,8
Leukos 1,86
Neutros 0,73
Thrombos 87

Antikörper wurden auch getestet und sie sind unverändert, also:

HbsAg pos.
HbeAg pos.
Hbc-IgM-Ab neg.
HbcAb pos.
HbsAb neg.
HbeAb neg.

In 3 Wochen soll ich wiederkommen, ergab der übliche Anruf um 12:30, 135 µg weiterhin.

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Die Rückkehr von Dr. B.

Freitag, 30. November 2007

Schön, wenn man wieder in guten Händen ist.

Meine Punkteliste mit Fragen war diesmal lang und ich schickte voraus, dass ich kürzlich bei einer Gesundheitsumfrage teilgenommen hatte, bei welcher ich nicht bejahen konnte, dass sich jeder Arzt mehr als 10 Minuten Zeit für mich nimmt:

- Reisen: meiner Dienstreise nach Kanada im Frühling 2008 steht angeblich nichts im Wege, Dr. B. lachte fröhlich (habe ich vermisst) und sagte, ja natürlich, Sie bekommen ein ärztliches Attest und eine Kühltasche, fertig, außerdem fahren Sie ja nicht in ein Entwicklungsland.

- Nebenwirkungen: anlässlich des Faktums, dass nun mehr als 3 Monate vergangen sind seit Therapiestart, habe ich eine Liste mit den bisher aufgetretenen Nebenwirkungen erstellt, um es für mich zu wissen und auch, um sie der Akte beizulegen. Dr. B. begrüßte das, warf einen Blick drauf und meinte, das wäre alles normal, gab mir ein paar Tipps im Umgang mit dem Juckreiz.

- Seractil: vom Zahnarzt habe ich aus aktuellem Anlass ein Schmerz- und entzündunghemmendes Mittel erhalten, bei welchem ich mir nicht sicher war, ob es mit Interferon vertragen wird: kein Problem (Wirkstoff: Dexibuprofen).

- Stichstelle: bisher habe ich immer nur in den Bauch gestochen, allerdings auch mal gelesen, dass es zur Bildung von Knoten o.ä. im Fettgewebe kommen kann, wenn man nicht wechselt, was zu einer schlechteren Verteilung der Interferons führen kann. Allerdings reicht offenbar der Bauch, wenn man nur nicht jedes Mal auf die gleiche Seite spritzt, was ich nicht tue, sondern: oberhalb, unterhalb, links und rechts des Nabels. Dass manchmal ein bisschen Blut austritt, sei nicht weiter tragisch, sondern normal.

- Geschwister: ich fragte Dr. B., was für eine Vorgangsweise sie für meine beiden Geschwister vorschlagen würde, von welchen der eine quasi das gleiche Blutbild wie ich vor der Therapie hatte (erhöhte Werte, e-Antigen), nur dass er keine HBV-DNA gemessen hatte, während die andere vorläufig noch ein unauffälliges Blutbild hat, abgesehen von den Antikörpern und Antigenen, aber nicht dem e-Antigen (= Virus repliziert nicht). Dr. B. meinte, es wäre sehr sinnvoll, sich ins Spital zu begeben, wo man auch halbjährliche Kontrollen machen kann inklusive Bestimmung der HBV-DNA, die sozusagen das wichtigste Anzeichen für den Verlauf der Krankheit ist, und eben auch rechtzeitig eingreifen kann, wenn man sieht, dass die Leberwerte abrupt hinaufschnellen: dann wäre nämlich eine Therapie angesagt.

Eben jene HBV-DNA bei mir gibt Hoffnung, sie ist nämlich wieder gesunken von ca. 330.000 beim letzten Mal auf

191.600 IU/ml

Restliche Werte:

Erys 3,7 T/l

Hämoglobin 11,2 g/dl

Hämatokrit 31,0 %

MCV 83,8 fl

MCHC 36,1 g/dl

Leukos 1,76 G/l

Neutros 0,69 G/l

Thrombos 75 G/l

Zusammenfassung für diejenigen, die die Normalwerte nicht im Kopf haben (wieder sind nur jene aufgelistet, die abweichen): Leukozyten wieder mal am Tiefstand, ebenso Thrombozyten, Kontrolle in zwei Wochen wieder.